Sie werden mich nicht zum Schweigen bringen – Fernando Londoño Hoyos

Publicado: 2012-05-19   Clicks: 2040

 

     Bogotá, 17. Mai 2012

     Während der ehemalige Innenminister Fernando Londoño Hoyos sich im Krankenhaus von den schweren Verletzungen des gegen ihn gerichteten Attentates vomm 15. Mai diesen Jahres in Bogotá erholen muss, hat er für sein Radioprogramm „La Hora de la Verdad“ (Die Stunde der Wahrheit), das vom Radiosender Super ausgestrahlt wird, einen Beitrag aufgezeichnet, in dem er unterstreicht, dass er weiter für Freiheit, Gerechtigkeit und die Wahrheit kämpfen wird.

   Das sind seine Worte:

     „ Die Worte, die ich heute an Sie richte, mein lieben Hörer der Hora de la Verdad, besitzen die besondere Autorität desjenigen, der von den Ufern des Todes zurückgekehrt ist. Auch wenn meine Genesung noch nicht vollständig ist, so ist sie doch ausreichend dafür, dass ich in diesem Beitrag sage, was ich in diesen schrecklichen Momenten zu sagen habe.

     Auch wenn diejenigen, die diese brutale, niederträchtige und in jeder Hinsicht groteske Tat begangen haben, damit rechnen mussten, dass ich überleben könnte, was rein physisch höchst unwahrscheinlich schien, so haben sie mir doch mein Herz zerrissen. Darin waren sie erfolgreich.

     Mein Herz ist gebrochen. Der Tod von Rosemberg Burbano und dem Fahrer Ricardo Rodríguez war einer meiner emotional schwersten Proben, die ich jemals bestehen musste. Denn sie waren meine Begleiter bei der Arbeit, meine Freunde, meine Vertrauten. Sie teilten mit mir diese ganz spezielle Verbundenheit desjenigen, der weiß, dass er jeden Tag zum Tode verurteilt ist und sie waren diejenigen, die ihre Leben dafür geben, dass dieses Urteil sich nicht bewahrheitet. Es erinnert mich an eine Passage aus der Novelle Risaralda von Bernardo Arias Trujillo die da sagt: in einem gewissen Sinn verbindet uns die Tragödie.

     Was für großmütige Herzen ! Was für freigiebige Seelen !, welche Hingabe und Sorgfalt in der Arbeit und was für eine Verachtung gegenüber allem was kalkuliert, sekundär und zerstörerisch war.

    Unteroffizier Burbano und Ricardo Rodríguez war wie fast alle Kolumbianer, wunderbare Menschen, unglaublich befähigt. Sie haben sich mit Hingabe ihrem Schicksal gestellt, haben mit Geschick und enormer Großzügigkeit ihrer Sache gedient. Wie könnte mich ihr Ableben nicht schmerzen, und wie könnte es mich nicht schmerzen, dass ihnen nicht die geringste Chance auf Verteidigung blieb, bei dieser neuen Technik des Terrors, die dort von der Farc praktiziert wurde. Es war, als ob man am wenigsten  irgendeine Gefahr oder ein Unglück erwartet hätte.

    Der Terror wird immer schmutziger, immer technisierter in seiner Scheinheiligkeit, in seiner  Missachtung gegenüber jeglichen Grenzen, in der Perfektionierung seiner Durchführung. Wir Kolumbianer müssen uns darüber bewusst sein, dass unter uns eine neue Form des Terrorismus herrscht, die wahrscheinlich nicht im eigenen Haus gemacht wurde, sondern in alter oder neuer Verpackung von der ETA und anderen internationalen Verbrechern importiert wurde. Das dürfen wir nicht verkennen.

    Aber was ich Euch sagen muss, mein Herz ist definitiv vom Schmerz zerritten über den Verlust meiner Freunde, die letztlich an dieser Wahrheit sterben mussten. Wie bewegend ist diese Vorstellung, ein Kolumbianer der in Erfüllung seiner Verpflichtungen bei dieser Arbeit, die er für etwas Großartiges erachtet hat, alles gegeben hat.

    Jedoch die Autoren dieses Attentates haben gerade das als Begründung genommen. Multipliziert durch den Schmerz, den ich fühle, über die Toten und Verletzten, die dieses Attentat hervorgebracht hat. Ahnungslose Kolumbianer, deren Schicksal sich dem meinen angeschlossen haben. Die Zerstörungen an den angrenzenden Gebäuden ist ein Anblick, den der Terrorismus immer hinterlässt.

    Die Wahrheit, die letzte Wahrheit, die ich mir seit mehr als acht Jahren geschworen habe zu sagen, koste es was es wolle, ist, dass die emotionale Last, die mir damit aufgebürdet wurde, sehr schwer wiegt. Aber, hier werde ich sein, in diesem Schützengraben, in Erfüllung dieser Aufgabe, im Führen dieses Gefechts. Gott hat in einem seiner wundervollen Werke gewollt - wie sich jeder überzeugen konnte beim Anblick des geschmolzenen Metallhaufens in den sich der Wagen verwandelt hat, in dem ich saß - dass ich eine neue Chance erhalten habe zu leben.

    Und diese Chance ist nicht dazu gedacht zu flüchten, nicht angedacht für ein feiges Schweigen, nicht um zu kapitulieren und sich somit den vielen anderen anzuschließen. Erheben wir unsere Stimme mit der gleichen Erwartung wie wir sie vor acht Jahren hatten, als uns der Radiosender Super seine Türen geöffnet hat für unsere Hora de la Verdad, mit dem gleichen Vertrauen, das wir vor zwei Tagen hatten, als wir diesen Bestien ausgesetzt waren.

    Das, liebe Freunde, bedeutet, dass wir unsere Arbeit weiterführen, dass wir uns erneut verpflichten den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Dass wir unseren Stil des Journalismus beibehalten, der nicht besser als irgend ein anderer sein muss, der sich jedoch von den anderen unterscheidet. Kämpfen wir weiter für das, was uns gut und wichtig erscheint.

    Machen wir weiter mit dem Kampf für die Freiheit, die nicht nur die unsere ist. Die Pressefreiheit wurde mit dem schmerzhaften Anschlag am Dienstag massiv verletzt. Nein, es ist auch eure Freiheit liebe Freunde. Um zu hören was uns in den unzähligen Nachrichten die uns in unserem Schmerz erreicht haben, werden Sie in Ausübung dieser (Presse)Freiheit andere Dinge als sonst üblich hören; so Sie wollen, dass man über ein großes und würdiges Vaterland spricht, dass man wiederholt, dass nur die Freiheit neue Welten konstruieren kann, in allen Bereichen von der Kunst bis zu den Eigenheiten der Wirtschaft oder auch in den eigenen Reihen unserer schwierigen Verhältnisses  untereinander, über den Staat der uns regiert.

    Und so wie wir die Freiheit lieben, werden wir sie hier weiter verteidigen.  Verteidigen wir die Werte für die es sich lohnt zu leben, für die es sich lohnt das Leben zu riskieren, wenn das der Preis sein soll, der zu zahlen ist, in einem Land wo die Rohheit und der Terror erneut seine Zelte aufgeschlagen hat.

    Diese Werte haben etwas zu tun mit der Transzendenz des Menschen, mit Liebe und Gottesfürchtigkeit. Mit der Liebe und dem Respekt gegenüber anderen Errungenschaften, insbesondere die der Menschheit. La Hora de la Verdad hat niemals die Menschenwürde verletzt und wird es niemals tun. Wir verteidigen die Ehre des kolumbianischen Volkes, die einigen manchmal wie  eine Jagd erscheinen mag, aufgrund seiner allürenreichen Persönlichkeiten oder seiner unaussprechlichen Abenteuer.

    Das kolumbianische Volk verdient Respekt, es hat Würde; das kolumbianische Volk darf nicht mitverurteilt werden für die Gewalt, die Bedrohungen, nicht für das Anbiedern und die Gefälligkeiten die es umgibt. Der Kolumbianer glaubt an sein Schicksal, glaub an Gerechtigkeit, die hier so mit Füßen getreten wird. Eine Justiz, die in aller Seelenruhe vermutet, dass unser Fall sich dem der vielen anderen traurigen Geschehnisse anschließt, die wesentlich signifikanter waren, aber nicht um so weniger im kollektiven Gedächtnis geblieben sind.

    Der Fall von Alvaro Gomez Hurtado, von Luis Carlos Galan und der vielen Kolumbianer die schon vor langem gestorben sind und von denen man bisheute nicht weiß, zumindest aus juristischer Sicht, wer oder warum sie ermordet wurden. Die Kolumbianer wollen das nicht ! Der Ärmste unter ihnen, der Unvorbereiteste, der etwas sieht, was ihm nicht in Ordnung erscheint, ruft nach Gerechtigkeit. Und in der Hora de la Verdad verteidigen wir diese. Die Gerechtigkeit der Reichsten, natürlich, aber vor allem die Gerechtigkeit der Ärmsten, der Hilflosen, der geschundenen Mittelklasse. In diesem Kampf machen wir weiter.

   Und es gibt einen weiteren Wert für dessen Erhaltung und in dessen Durchsetzung wir nicht nachgeben: den Wert der Sicherheit. Dieses Land war im Jahr 2002 am Tiefpunkt angelangt, wir hatten Kolumbien verloren, wir hatten unser Vaterland verloren in einem kontinuierlichen Prozess aus gewalttätigem Irrsinn und der Untätigkeit des Staates. Wir waren nicht einverstanden mit den Vorschlägen von Straflosigkeit die man uns wie ein Versprechen für Frieden verkaufen wollten. Ungerechtigkeit und das Nachgeben haben niemals zu einem Frieden geführt. Ein trügerischer Waffenstillstand und Beschwichtigung sind die Vorstufe einer moralischen und politischen Katastrophe.

    Für diese Werte werden wir uns wieder erheben, liebe Freunde. Das kann sehr bald wieder sein, so Gott will und die Ärzte es erlauben. Wir werden sehr schnell wieder auf Sendung sein, ob nun morgen oder ab irgend ein anderer Tag in diesem Monat. Und wir werden das mit Freude, Überzeigung und Entschlossenheit tun, ohne dass uns die Stimme zittert. Vor allem werden unserer Grundsätze nicht ins Wanken geraten, in denen sich dieses wundervolle Abenteuer definiert, was sich Die Stunde der Wahrheit nennt.

    Ich kann diese bewegenden Minuten nicht verstreichen lassen ohne euch zu sagen, dass ich euch liebe. Dass ich die Solidaritätsbekundungen und den Rückhalt den ich in diesen schweren Stunden erhalten habe unendlich wertschätze. Hier ist alles zusammengebrochen, das Telefonnetz, das Internet, die modernste Medientechnologie. Das war nicht nur eine einfache Manifestation sondern eine wirkliche Welle der Sympathie und vor allem von Zuneigung unserer Radiosendung gegenüber, was uns in allerhöchstem Maße verpflichtet.

    Diese Manifestationen wurden mit Großzügigkeit und umgehend zum Ausdruck gebracht. Und wir nehmen sie mit Anerkennung an von unseren prinzipiellen Gegnern oder Widersachern bei unseren Ansichten über Politik oder anderen Szenarien des gesellschaftlichen Lebens. Dank an Sie alle.

    Sei es die von einer Person wie Hugo Chavez aus Venezuela oder eine Person die sehr von uns kritisiert wird wie Pater De Roux, Provinzial der Comapñia de Jesús, des Demokratischen Pols, der unsere Antipode ist, von Journalisten die nicht einfach waren, wenn wir über die Handhabung von  Staatsangelegenheiten gesprochen haben und die einen sehr harten Kampf mit uns geführt haben; von den höchsten Staatsbediensteten mit denen wir auf schmerzliche Weise in vielen Angelegenheiten nicht übereinstimmen. Alle haben uns ihre Verbundenheit und Solidarität ausgedrückt, wir könnten fast sagen, dass ihre Kameradschaft ein Feuer entfacht hat in der Verteidigung der grundlegenden Menschenrechte, wie man das seit der französischen Revolution ausdrückt und in der Verteidigung der Prinzipien der modernen Kultur. Das verpflichtet uns.

    In Momenten der persönlichen Krise, und ein wenig in Umgehung  der ärztlichen Besorgnis haben wir uns in einem ungewöhnlich großen Raum eine kleine Ecke genommen um mit diesem Bericht unserer Stimme der Danksagung und des Respekts gegenüber diesem wunderbaren Volk Ausdruck zu verleihen, auch an alle Institutionen, befreundete oder weniger nahestehende, die uns in diesen schwierigen Momenten ihre Anteilnahme übermittelt haben.

    Dieses Volk ist so großartig, dass kann nicht ohne Bedeutung sein.

    La Hora de la Verdadhat gelitten, sehr gelitten, aber sie gibt nicht auf. Unser Wort wird nicht verschwinden und wir wissen, dass es nicht in den Wind gesprochen ist. Dies war die höhere Wahrheit zu der wir in diesen Momenten der Krisis gelangt sind, als sie alle, liebe Hörer, uns ein Wort der Anteilnahme und mehr noch ein Wort der Zuneigung gegeben haben.

    Ihnen allen vielen Dank und bis sehr bald.“

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